Der papierlose Staat, das papierlose Büro, das papierlose Klo – und es gibt sie doch!

von | 15.07.2014
witziges Foto zum papierlosen Büro. Einem Mann hängt eine Rolle Toilettenpapier aus dem Mund

In vielen Bereichen unseres Lebens zieht die Digitalisierung ein und manche Länder oder Unternehmen gehen diesen Weg sehr konsequent.

Estland ist eines der Länder, das 1991 nach ihrer Unabhängigkeit aus der Planwirtschaft mit einem selbst so benannten „Tigersprung“ direkt in die Neuzeit gesprungen sind. Aus Geldmangel und unter Zeitdruck richteten sie die digitale Verwaltung ein. Heute garantiert Estland seinen Bürgern kostenlosen Zugang zum Internet. Seit 2002 gibt es eine persönliche ID-Karte, die heute über 90% der Esten haben. Mit ihr kann man Behördengänge vermeiden und mit der Verwaltung rechtsverbindlich kommunizieren. Es wird elektronisch gewählt, Debatten und Abstimmungen der Parlamentarier  können elektronisch verfolgt werden. Dass die neue Technik auch Gefahren birgt, musste man im Jahr 2007 erkennen. Vier Tage lang waren alle öffentlichen Einrichtungen nicht mehr erreichbar. Hacker überschwemmten Webserver mit einer Flut unsinniger Datenanfragen und legten deren IT-Infrastruktur lahm.

Besonders radikale Wege in Sachen Papier geht das holländische IT-Unternehmen Decos aus Noordwijk. Alle Mitarbeiter sind mit iPads ausgestattet. Konferenzen und Besprechungen werden ohne das verpönte Papier abgehalten. Keine Kopien, keine Flipcharts, keine Notizblöcke. Eingehende Papierpost wird mit der Bitte zurückgeschickt, die Dokumente elektronisch zu versenden. Die Umstellung ist in der futuristischen Zentrale zu 99% gelungen.  Toiletten sind eines der wenigen Rückzugsgebiete des Papiers. 80% Toiletten sind noch nicht auf die „Duschvariante“ umgestellt, die in Asien weit verbreitet ist. Doch der Kampf gegen diese Relikte soll bis zum Jahresende gewonnen werden. Nach Angeben des Unternehmens sei dieses Verfahren sogar umweltfreundlicher.

Es bleiben Fragen offen! Ist der radikale Weg immer der richtige? Unterschätzt man die Gefahren der digitalen Transparenz und deren Angriffsfläche für Mensch und Technik? Sind wir Menschen von unserer Evolution eher haptische Wesen, die durch Begreifen begreifen? Muss es nicht doch immer solche extremen Entwicklungen geben, um Veränderungsprozesse anzustoßen?

Mit meinen Fragen lasse ich Sie jetzt allein und vielleicht gibt es demnächst einmal eine interessante Diskussion in Ihrem Kollegen- oder Freundeskreis zu diesem Thema. Auch freue ich mich natürlich über Ihre Kommentare hier im Blog!

Foto: kallejipp / photocase.com
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Autor: Klaus Gettwart

Dipl.-Wi.-Ing. Klaus Gettwart ist geschäftsführender Gesellschafter und Gründer der MailConsult GmbH in Berlin im Jahr 2001. Davor war er Marketingleiter bei Francotyp-Postalia und Produktmanager für Industrieautomation bei Robert Bosch GmbH in Erbach. Seine Schwerpunktthemen sind Weiterbildung und Prozess-Benchmarking in der Informationslogistik. Studium: Wirtschaftsingenieurwesen OR/Informatik, TH Karlsruhe; verheiratet, 2 Töchter. Motto: Partnerschaftliches Miteinander sichert langfristig den Erfolg.

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